Edinburgh

Sanft werden die sandsteinfarbenen Gebäude von den frühsommerlichen Sonnenstrahlen beleuchtet. Eine frische Brise umweht den Efeu, der sich an den geraden Wänden empor hangelt. Der steilen Straße folgend tummeln sich die verschiedensten Charaktere in den Gassen und Ecken der Royal Mile. Neben all den vielen Touristen, die wie Ameisen in den unterschiedlichsten Läden verschwinden um wieder aufzutauchen, fallen die eigentlichen Bewohner fast gar nicht auf.

Ab und zu erblickt man einen umherhuschenden Geist mit Weidenkörbchen in der Hand und Chucks an den Füßen oder auch einen in Polyester gekleideten Magier mit Spitzhut, der euphorisch seinen Zauberstab den umherstehenden Gebäuden entgegenstreckt. In naher Ferne hört man einen Dudelsack dudeln und ist man fast oben, so sieht man William Wallace kampfbereit und mit einem Spendenhut am Straßenrand stehen. Tritt man zum Schluss durch die riesigen Tore und lässt sich von dem starken Wind die Haare verwehen, so hat man es geschafft und steht vielleicht neben Mons Meg auf dem Edinburgh Castle und wartet, dass es 13 Uhr schlägt.

Wo waren wir? Schottland!

In unserer Rubrik “Fernweh” möchten wir euch gerne von unseren Reisen erzählen. Einige haben wir zusammen erlebt, andere getrennt. Wir beginnen mit einer aus dem letzten Jahr, in der wir eine drei-Tage-Städte-Reise nach beautiful Edinburgh gemacht haben. Warum? |L liebt Schottland und hat A| mitgeschleppt, sie war nämlich noch nie da.

Kurz aber prägnant, war die Devise! Denn die Reise fing gut an…nämlich damit, dass auf dem Flughafen auf einmal das Gepäckband nicht mehr funktionierte und wir 45 min warten mussten, bis es weiterging und somit fast den Flug verpasst hätten. Zum Glück hatten wir zum Umsteigen in Brüssel, trotz obligatorischer Verspätung, genug Zeit zum Umsteigen. Angekommen in Edinburgh ganz praktisch direkt vom Flughafen in die City in einer halben Stunde “by bus”, quasi direkt vor unsere Hosteltür, wenn da nicht kurzerhand der Koffer von |L auf einmal weg gewesen wäre. Ganz allein, in einem fremden Land, in einer fremden Stadt, in der Hand von einer absolut fremden Frau, sahen wir ihn davon ziehen, um die Ecke und weg war er! A| geistesgegenwärtig wie sie ist, hat Träumerin |L darauf aufmerksam gemacht, in dem sie irgendetwas schrie und einfach losstürmte. Dem Busfahrer noch galant zugerufen: “Please wait, my Koffer!” war auch sie der dunklen Gasse hinter der Ecke verfallen. Allen Mächten sei dank, kam sie kurzerhand, völlig außer Atem, kreidebleich aber mit dem Koffer in der Hand zurück. Meine Heldin! (|L) Zur Verteidigung der fremden Frau: Auch sie schien eine Träumerin zu sein und da ist es ja nicht verwunderlich, dass die Koffer zweier Träumerinnen mal verwechselt werden. Denn ihrer sah dem von |L schon etwas ähnlich…

Nach dem ersten Schreck kamen wir an unserem Hostel an. Wir wussten, dass es zentral gelegen ist, aber dass es so zentral war, hat uns dann doch freudig überrascht. Das “Belushi’s” sollte es sein. Eigene Bar, Free-Wifi, freundliche Betreuung und urgemülich. Es ist zwar dennoch ein typisches Hostel, aber wir können es wärmstens empfehlen. Preis-Leistung stimmt und man kommt fußläufig eigentlich überall hin. Und das Edinburgh Dungeon ist direkt vor der Tür.

Obwohl ein wenig geschafft von der Anreise, sind wir am späten Nachmittag noch ein wenig durch die Gassen der “Old Town” geschlendert. Was soll man sagen? Zu jeder Tages- und Nachtzeit einfach nur schön anzusehen!

Wir mussten uns halt ein wenig die Zeit vertreiben, da ab 21Uhr in der Hostel-Bar ein Comedy Programm stattfinden sollte. Hätten wir vorher gewusst, was uns erwartet, wären wir wahrscheinlich, nein eigentlich definitiv nicht hingegangen. Wir sagen nur so viel als Fazit: Für die deutsche Geschichte ist man selbst nach fast 70 Jahren immer noch verantwortlich und muss sich von einem völlig Fremden (evtl. Betrunkenem) von der Bühne aus anschreien und virtuell erschießen lassen. Punkt.

Zum Glück sind wir nicht nachtragend und haben nicht fluchtartig unsere Koffer (beide waren noch da!) gepackt und sind wieder zurück. Nein, wir sind neuen Mutes am nächsten Tag durch Old und New Town geschlendert. Geshoppt, gegessen, Sehenswürdigkeiten (tolle Uni!) etc pp. Eine Sache müssen wir aber noch erzählen. Nämlich die Geschichte, wie wir ungewollt beinahe zu Filmstars wurden.

Schon früh morgens bemerkten wir in naher Ferne reges Treiben direkt vor der Scottish National Gallery. Über den Tag verteilt, immer mal wieder beim Näher kommen, fragten wir uns, was da los sei. Von Party, Charity-Veranstalung bis hin zu Demo haben wir alles erwartet. Laute Musik und zwischendurch mal tanzende Menschen. Doch als wir am Ende des Tages dann beschlossen: “jetzt gehen wir doch mal nachgucken”, entdeckten wir, dass es Filmarbeiten waren. |L brach gleich in Panik aus und suchte verzweifelt nach den Darstellern von “Glee”, wurde aber gleich darauf enttäuscht. Also schauten wir uns am Rande der Menschenmasse das Spektakel ein wenig an. Kurze Proben und Aufnahmesequenzen vor nur ein/zwei Minuten. Wir wunderten uns schon, warum da so viele Menschen zugucken durften, dachten uns nichts dabei, weil ist ja ein öffenlticher Platz und wirkt dann authentischer. Also liefen wir irgendwann ans andere Ende und gesellten uns dazu. Schön fanden wir auch, dass sogar Brötchen für die hungrigen Zuschauer verteilt wurden…Alle waren so fröhlich und gespannt, dass sogar die Aufpasserpolizisten mitschauten. Und da wir ja sehr neugierig sind und |L relativ klein ist, mussten wir natürlich auch etwas weiter nach vorne. Das Spektakel ging von vorne los, diesmal eine komplette Szene. Die Mengen drängten sich immer näher an die Darsteller heran und als der Höhepunkt der Szene kam, klatschten alle ganz freudig mit. Wir dabei! So eine tolle Stimmung!
Doch auf einmal drehten sich alle um uns herum, Polizisten eingeschlossen, um und wir schauten in die Augen zahlreicher Statisten, die sogleich auch anfingen, zu tanzen. A| schrie in Panik: “Wir müssen mittanzen!” und machte reflexartig irgendwelche Bewegungen, die man als Tanzen hätte deuten können, während |L wie zur Salzsäule erstarrt einen Moment brauchte, um überhaupt zu verstehen, was gerade um sie herum passierte. Zum Glück setzte bei uns beiden dann der Fluchtreflex ein und wir ließen die irritierten Tänzer zurück.
Um uns von dem Schreck zu erholen, begaben wir uns wieder ein wenig an den Rand. Erst jetzt fiel uns auf, dass besagte Zuschauer beim nächsten Start der Aufnhame alle nur so taten, als wären sie zufällig an diesem Ort. Für Statisten eine echt gute schauspielerische Leistung. Uns haben sie immerhin überzeugt. 😉

Gut, damit dass hier jetzt nicht noch  länger wird, kürzen wir das ganze jetzt ab: Am nächsten Tag ging es schweren Herzens schon wieder zurück, |L’s Koffer kam natürlich nicht mit, aber egal. War eine Woche später ja wieder da. Ist sie ja auch schon gewohnt.

Danke, falls du es bis hierhin geschafft hast, das ist ‘ne Leistung!

Noch mehr Bilder findest du in Lauras Bildersammlung. 🙂

Einen wundertollen Tag noch.

Kürzel A blackKürzel L black

PS: Oben erwähnter Film ist ein Musical und schimpft sich “Sunshine on Leith“. In dieser Szene waren wir dabei! Wer uns findet, bekommt ein schottisches Frühstück von uns 😉

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